KGV

KGV für Anfänger

Was ist das KGV und kann man damit Aktien bewerten?


Das KGV (engl. PER) steht für Kurs-Gewinn Verhältnis und ist eine der berühmtesten Kennziffern bei der Fundamentalanalyse von Aktien. Was besagt diese Kennziffer und wie aussagekräftig ist sie? Wie lässt sich das KGV berechnen?

Zunächst zu Berechnung, aber von Beginn an:

Wir brauchen den Jahresgewinn einer Aktiengesellschaft. Sagen wir 100 Mio EUR.

Dann brauchen wir die Anzahl der ausgegebenen Aktien von dem Unternehmen. Das können exemplarisch 10 Mio Stücke sein.

Dann mach das Unternehmen also 10 EUR pro Aktie Gewinn (Rechnung: 100/10).

Sagt uns der Gewinn pro Aktie was? Erstmal nein! Die Anzahl der ausgegebenen Aktien kann eine Aktiengesellschaft steuern. Wenn das Unternehmen morgen 10 Mio Gratisaktien ausgibt (das kommt bei Aktiensplits vor), sind es nur noch 5 EUR Gewinn pro Aktie, ohne dass das Unternehmen besser oder schlechter geworden ist.

Wir benötigen den aktuellen Aktienkurs. Sagen wir 150 EUR.

Der Kurs sagt im ersten Moment auch nichts aus, denn dieser ist auch abhängig von der Anzahl der ausgegebenen Aktien. Wird die Anzahl der Aktien künstlich verdoppelt, wird der Aktienkurs sich halbieren.

Ein Unternehmen ist an der Börse so viel wert, wie das Produkt aus Aktienkurs und Summe ausgegebener Aktien (also 10 Mio x 150 EUR = 1,5 MRD EUR). Den Börsenwert nennt man auch Marktkapitalisierung.

Berechnung des KGV

 

Das KGV ergibt sich aus dem Quotienten von Aktienkurs und Gewinn pro Aktie. Also 150 geteilt durch 10 = 15.

Praktisch: Sollte sich die Anzahl der Aktien künstlich verdoppeln, so halbiert sich der Preis und der Gewinn pro Aktie. Damit bleibt das KGV in der Rechnung bei 15. Möchte ein Unternehmen die Ziffer beeinflussen, geht das nur durch „Bearbeitung“ des Gewinnes. Auflösung von Rücklagen oder geschickte Abschreibungspolitik wäre dafür möglich.

 

Aussagekraft eines KGV von 15


Zunächst zur Theorie: Angenommen das KGV liegt bei 15, der Gewinn bleibt jedes Jahr konstant gleich hoch und wird in Form von Dividenden ausgeschüttet. Es dauert dann 15 Jahre bis der Aktienkauf sich allein durch Dividendeneinnahmen ausgezahlt hat. Wer alle existierenden Aktien der Firma gekauft hat, braucht nicht auf Dividendeneinnahmen hoffen, er hat soviel Einfluss, dass er sie selbst anweisen kann. Das ist alles Theorie und in der Praxis nicht hilfreich. Weder ist ein konstanter Gewinn realistisch, noch löst ein gewinnbringendes Unternehmen sich nach 15 Jahren auf. Es wird seinen Gewinn versuchen zu steigern und nach 15 Jahren in der Regel noch mehr wert sein (erst Recht, wenn es keinen Gewinnrückgang gab).


Bei der Beurteilung, ob eine Aktien momentan zu teuer oder zu billig ist, kann die Ziffer schon besser helfen.


Ist die Ziffer sehr hoch, z.B. bei 100 oder mehr, erwartet der Markt ein enormes Gewinnwachstum in den nächsten Jahren. Wer will aber schon 100 Jahre darauf warten, dass die Investition sich amortisiert hat. Eine überraschende Vervierfachung des Gewinnes (was bei kleineren Firmen realistisch ist) , senkt das KGV von 100 auf 25 und die Aktie ist auf einmal nicht mehr so teuer.


Ist die Ziffer bei 6, so riecht das nach einem Schnäppchen, doch hier erwartet der Markt keine rosige Zukunft. Sinkt der Gewinn überraschend (an Verluste möchte ich noch nicht denken) steigt das KGV entweder an oder der Aktienkurs sinkt (das ist der realistischere Fall)

Welche Ziffer gilt als teuer und welche nicht? 

 

In der Theorie brauchen wir die durchschnittliche Eigenkapitalrendite. Also die Rendite, die für eine Investition in ein Unternehmen zu erwarten wäre. Nehmen wir an die läge bei 4 Prozent. 

Dann dauert es ungefähr 18 Jahre, bis sich meine Investition gerechnet hat (Geben Sie mal in einen Zinsrechner 4% für 18 Jahre ein).

Die Ziffer 18 wäre also ein ausgeglichenes KGV.

 

Vorsicht!


Die 4% sind anhängig vom Marktzins (aktuell sehr niedrig) und eine Branche mit mehr Risiko, fordert eine größere Eigenkapitalrendite. Deshalb sind KGVs bei Wachstumswerten sehr hoch und trotzdem in Ordnung. Bei konservativen und lange existierenden Firmen sind die KGVs niedriger. Beim DAX sind die KGV, je nach Marktlage zwischen 15-20.


Schlussfolgerung?

 

Ein normal laufender Markt (kein Crash, keine Blase) wird ein KGV immer fair preisen, sodass eine Analyse nicht viel
bringen wird. Ein Schnäppchen zu finden wird kaum möglich sein. Das KGV dient
dann eher als Risikokennziffer. Je höher es ist, desto mehr Erwartung steckt im Markt und umso mehr Enttäuschungspotential ist da.


Sinkt eine Aktie, weil einfach alles fällt (Crash) oder ein Branchenkonkurrent schlechte Zahlen meldet (was aber nicht an der Branche lag), so kann kurzfristig eine Kaufgelegenheit sich bieten. Insbesondere in Crashs neigt der Markt dazu, nicht fair zu bewerten. Doch leider traut sich dann auch kein Privatanleger etwas zu kaufen. Das ist nachvollziehbar („greife nie in ein fallendes Messer“) doch irrational. Wer nicht seinen kompletten Einsatz in Crashphasen investiert, sondern in mehreren Tranchen, kann die Angst vorm fallenden Messer mindern.

Anfängern sei hier ein Indexfonds (ETF) nahegelegt, auch Indizes haben ein KGV. Dass ein Unternehmen ein Crash nicht übersteht, kann passieren.


Wer in Indizes investiert, streut und senkt dieses Risiko.

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